Melon BallMelon Ball

Space over Time

In der Serie 'Space Over Time' wird sichtbar gemacht, wie sich ein beobachteter Raum über einen bestimmten Zeitraum verändert. Nur wenige von uns kennen 'Schlitzkameras', aber alle haben wir schon einmal das Zielfoto eines Sprint- oder Pferderennens gesehen - hier kommen Schlitzkameras zum Einsatz. Mit Hilfe von Schlitzkameras kann eindeutig bestimmt werden, wer die Ziellinie als erstes überquert hat:

Bild 183-1987-0822-034Bild 183-1987-0822-034ADN-ZB 22.8.87 Potsdam: 38. DDR-Leichtathletik-Meisterschaften - Der Originalzielfilm beweist den Weltrekord über 400-m-Hürden vom 21.8.87, wo die Erfurterin Sabine Busch (r.) eine Zeit von 53,24 s vor der Magdeburgerin Cornelia Ulrich (53,58 s) erreichte. - Original -
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Quelle links: Wikipedia, Quelle rechts: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0822-034/CC-BY-SA 3.0)

Wie funktioniert eine Schlitzkamera und wie unterscheidet sie sich von herkömmlichen Fotoapparaten? Bei einer herkömmlichen analogen Kamera öffnet sich der Verschluss für einen kurzen Augenblick und das einfallende Licht belichtet den Film. Das Foto zeigt dann auf der x-Achse und auf der y-Achse jeweils eine Raumdimension. Die Zeitdimension ist nicht sichtbar. Bei einer Schlitzkamera ist der sehr schmale, schlitzförmige Verschluss längere Zeit offen und während der Öffnungszeit wird der Film hinter dem Verschluss kontinuierlich transportiert. Hier wird also nur ein sehr kleiner Raumausschnitt betrachtet - dieser bildet dann die y-Achse des Fotos. Die x-Achse des Fotos ist die Zeit, denn der Film wird ja während der Belichtung kontinuierlich am Schlitz vorbei transportiert. Auf diese Weise

Listen - 100 x 60 cmListen - 100 x 60 cm2660 Einzelfotos zu einem Slitscan-Werk

kann sichtbar gemacht werden, wie sich der beobachtete Raum über die Zeit hinweg verändert. Eine Realität, die wir mit unseren Sinnesorganen nicht wahrnehmen können - und genau das ist das Thema dieser Serie: das  'Sichtbarmachen' einer Realität, die zweifelsohne eine Realität ist, die wir so aber nicht wahrnehmen können.

Italiano - 160 x 76 cmItaliano - 160 x 76 cm4974 Einzelfotos zu einem Slitscan-Werk
Oder anders ausgedrückt, das, was wir Menschen mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen können, ist nicht unbedingt "Alles" - es gibt durchaus Dinge, die real sind, auch wenn wir sie nicht wahrnehmen können. Für diese

Grems - 120 x 40 cmGrems - 120 x 40 cm6500 Einzelfotos zu einem Slitscan-Werk

Serie werden sich drehende Objekte aufgenommen (viele Tausend Schlitzkamera-Fotos von jedem Objekt). Die hier abgebildeten Werke sind jeweils 72 Sekunden von einer Melone, einem italienischen Mahl, bestehend aus roter Zwiebel, Knoblauch,  Spaghetti, Basilikum und Parmesan, einer Birkenfeige und einer Wasserflasche. Mit dieser Technik entstehen futuristische Werke wie aus einer anderen Welt, dabei sind es doch nur Bilder einer Realität, die wir nicht sehen können.
Wiwila Mni - 100 x 40 cmWiwila Mni - 100 x 40 cm6684 Einzelfotos zu einem Slitscan-Werk

Dieses Projekt begann 2015 auf einem Flohmarkt in New York City. Ich hatte noch ein wenig Zeit vor meinem Rückflug nach Berlin und verbrachte diese auf einem Flohmarkt in Greenwich, wo ich das Buch "The Great 'Life' Photographers" kaufte. Einige Monate später stieß ich in diesem Buch auf den Fotografen George Silk. Er hat in den 60er Jahren in Palo Alto die Zieleinlauffotos für die US- Ameri-kanischen Ausscheidungswettkämpfe in der Leichtathletik für die Olympischen Spiele gemacht - mit einer sogenannten "strip camera". Nach den Wettkämpfen ging er nach Hause, es war Halloween, und machte mit der strip camera Aufnahmen von seiner Familie. Ich war fasziniert von den dargestellten Fotos und der Technologie fing ich sofort an, selbst mit dieser Technologie zu experimentieren. Die Veränderung des Raumes über die Zeit x hinweg sichtbar zu machen - das wollte ich sehen und zeigen. Die ersten Aufnahmen machte ich mit einem Eierbecher, den ich auf dem Küchentisch drehte. Das sah schon ganz vielversprechend aus und man konnte erahnen was man mit dieser Technik machen kann. Bis zum ersten wirklich guten Ergebnis war es aber ein langer Weg. Zunächst musste ich einen geeigneten Drehteller mit elektronischer Steuerung entwickeln und bauen, die geeignete Software entwickeln, um mit der riesigen Datenmenge umgehen zu können, und vor allem viel Erfahrung sammeln, welche Objekte und welche Beleuchtung für die tausenden Fotos vom drehenden Objekt geeignet ist. Kleine, niedrig auflösende Fotos waren schnell gemacht, aber für hochwertige und vor allem großformatige Fine Art Prints war es ein langer Weg - der sich aber gelohnt hat.